Zusammenfassung
Der HV SVG (Static Var Generator) stellt die fortschrittlichste Blindleistungskompensationstechnologie in modernen Energiesystemen dar. Mit verbesserten Regelungsalgorithmen kann es auch harmonische Kompensationen durchführen. Feldanwendungen haben jedoch ein kontraintuitives Phänomen offenbart: Während systemseitige Strom- und Spannungsharmoniken während der Kompensation abnehmen, nehmen die Lastström-Oberschwingungen deutlich zu. Dieses Papier untersucht dieses Problem anhand theoretischer Analyse, Modellierung und Simulation und liefert praktische Einblicke für den effektiven Einsatz harmonischer Kompensationssysteme.
Schlüsselwörter: harmonische Kompensation; Statischer Var-Generator (SVG)
I. Einleitung
Der weitverbreitete Einsatz nichtlinearer Lasten – wie Lichtbogenöfen, Mittelfrequenz-Induktionsöfen, untergetauchte Lichtbogenöfen, Niederspannungs-Frequenzumtreiber (VFDs) und Gleichrichtern – hat zu zunehmend gravierenden Qualitätsproblemen in Stromnetzen geführt, darunter Oberwellen, Spannungsflackern, Ungleichgewicht, Überspannung und Unterspannung. Diese Störungen bedrohen nicht nur den Betrieb sensibler Hochpräzisionsgeräte, sondern erhöhen auch Verluste in der Übertragungs- und Verteilungsinfrastruktur. Unter diesen Problemen stellen Oberschwingungen besonders ernsthafte Risiken dar, da sie die Energieeffizienz verringern und Überhitzung, Vibrationen, Lärm, Isolierungsalterung und sogar katastrophale Ausfälle in elektrischen Geräten verursachen.
Gängige Harmonic-Mitigationslösungen sind passive Filter (FC) und aktive Leistungsfilter (APF). Während APFs typischerweise auf Niederspannungsniveaus (z. B. 380 V oder 660 V) eingesetzt werden, verlassen sich Mittel- und Hochspannungssysteme (10 kV/35 kV) oft auf kaskadierende H-Brücken-SVGs mit modifizierten Steuerstrategien, um integrierte Blindleistung und Harmonische Kompensation zu erreichen.
Das SVG, das auf vollständig gesteuerten IGBT-Bauteilen basiert, ersetzt sperrige Kondensatoren und Reaktoren durch schnell schaltbare Leistungselektronik, was eine dynamische, glatte und präzise Kompensation ermöglicht. Durch die Verfeinerung seines Steueralgorithmus kann der SVG gleichzeitig die Blindleistung ausgleichen und Oberschwingungen unterdrücken.
Dieses Papier stellt das harmonische Kompensationsprinzip von SVGs vor, berichtet über eine praxisnahe Anwendung und analysiert einen unerwarteten Anstieg der Lastseiten-Harmonischen durch Simulation und theoretische Modellierung.
II. Prinzip der harmonischen Kompensation von SVG
a. Grundlegende SVG-Funktionsweise

Tabelle 1: Betriebszustandsprinzipien
Der SVG ist ein statischer, schnell reagierender dynamischer Blindleistungskompensator. Sie verbindet eine selbstkommutierte Brückenschaltung – bestehend aus mehreren seriengeschalteten H-Brückenmodulen – über Reaktoren oder Transformatoren mit dem Netz (Abb. 1). Durch Anpassung der Amplitude und Phase der AC-seitigen Ausgangsspannung (oder durch direkte Steuerung des Ausgangsstroms) injiziert oder absorbiert das SVG Blindleistung nach Bedarf.

Abbildung 1: Diagramm eines hochspannungskaskadierenden SVG-Systems
In Hochspannungsanwendungen werden mehrere H-Brücken-Module pro Phase kaskadiert, wobei die Zahl mit dem Spannungsniveau skaliert. Steuersignale werden über Glasfaser übertragen, um galvanische Isolierung und Rauschfestigkeit zu gewährleisten (Abb. 2).

Abbildung 2: Schaltplan der elektrischen Struktur des SVG-Systems
Der SVG überwacht kontinuierlich Systemspannung, Systemstrom und Laststrom und passt dann dynamisch seinen Ausgang an, um Zielwerte für Blindleistung, Spannung oder Leistungsfaktor am Punkt der gemeinsamen Kopplung beizubehalten.
b. Harmonischer Kompensationsmechanismus
Das Funktionsprinzip eines Mittelspannungs-SVG mit aktiver Filterfunktion unter Verwendung von Gleichstromregelung ist in Abbildung 3 dargestellt. Aus dieser Abbildung lässt sich die Gleichung (1) ableiten, die angibt, dass der Quellstrom die Vektorsumme aus dem Laststrom und dem Kompensationsstrom ist:

Abbildung 3: Arbeitsprinzip eines statischen Var-Generators unter Verwendung von Gleichstromregelung
Unter der Annahme, dass der Laststrom einen fundamentalen positiven Sequenzstrom (einschließlich sowohl fundamentaler positiver Sequenz reaktiver als auch aktiver Komponenten), fundamentaler negativer Sequenzstrom und Oberschwingungsströme enthält, kann er wie folgt ausgedrückt werden:

Um die fundamentalen positiven reaktiven und fundamentalen negativen Sequenzkomponenten aus dem Quellstrom zu eliminieren, muss der SVG-Ausgangsstrom Gleichung (3) erfüllen:
Daher enthält der Quellstrom nur die aktive Komponente der fundamentalen positiven Sequenz und die harmonischen Ströme, wie in Gleichung (4) gezeigt:

Daher hängt die gewünschte Kompensation davon ab, den SVG-Ausgangsstrom präzise zu steuern, um die Anforderungen in Gleichung (3) zu erfüllen.
Aus der obigen Beschreibung des Betriebsprinzips des SVG geht hervor, dass ersichtlich, dass er, wenn der SVG zusätzlich zur Kompensierung der Blindleistung Lastharmonische unterdrücken soll, nur die entsprechenden Oberschwingungsströme erzeugen muss. Daher kann der SVG gleichzeitig zwei Ziele erfüllen: den Blindstrom auszugleichen und den harmonischen Strom zu mindern.
Für diesen Zweck können verschiedene harmonische Detektionsalgorithmen eingesetzt werden, wie zum Beispiel die rotierende koordinatenbasierte selektive harmonische Detektion, FFT (Schnelle Fourier-Transformation) und die Theorie der momentanen Blindleistung, unter anderem.
III. Feldbeobachtung und Problemanalyse
a. Fallstudie: Eine Papierfabrik in China
Die Anlage wird über ein 35-kV-Netz über zwei 10-kV-Haupttransformatoren (einer aktiv, einer Standby) versorgt. Der 10-kV-Bus bedient ~60 Zubringer und zwei Selbsterzeugungseinheiten. Wichtige nichtlineare Lasten sind Chlordioxid-Gleichrichter, Chlor-Alkali-Gleichrichter und VFDs, die dominante 5. und 7. Oberwellen erzeugen, wobei die 5. Überschwingung die Versorgungsgrenzen überschreitet.
Abbildung 4: Primäres Systemdiagramm der vor Ort befindlichen Stromversorgung
Ein 10 kV / 5 Mvar SVG wurde auf dem 10-kV-Bus zur 5. Oberschwingungsminderung installiert. Daten nach der Inbetriebnahme (Tabelle 2) zeigen:

Tabelle 2: Auswirkungen harmonischer Kompensation
Während die systemseitigen Obertöne abnahmen, stieg der Gesamtstrom der 5. Oberklinge auf der Lastseite von 93 A auf 152 A – eine Steigerung von 63 % – trotz der 96 A-Kompensationsgrenze des SVG.
Spannungsharmonische Messungen bestätigten eine erfolgreiche Unterdrückung am 10-kV-Bus (Abb. 5) und schlossen Resonanz oder Überkompensation aus.
Abbildung 5: Oberwellen der 10kV-Busspannung vor (links) und nach (rechts) Kompensation
b. Ursachenanalyse
Das Phänomen resultiert aus der nicht vernachlässigbaren internen Impedanz ((Z_1)) des relativ schwachen Versorgungssystems. Der Lastharmonische Strom hängt ab von:
Netzspannung ((V))
Quellimpedanz ((Z_1))
Lastimpedanz ((Z_2))
Vor der Kompensation verursacht der durch (Z_1 fließende Oberschwingstrom eine Spannungsverzerrung am Verbindungspunkt. Nach der SVG-Kompensation kehrt weniger Oberschwingungsstrom zur Quelle zurück, was die Spannungsverzerrung reduziert und die scheinbare Kurzschlusskapazität des Netzes effektiv erhöht. Folglich zieht dieselbe nichtlineare Last aufgrund verbesserter Spannungsqualität mehr Oberschwingungsstrom – ein gut dokumentierter "harmonischer Verstärkungs"-Effekt in schwachen Gittern.

Abbildung 6: Schematisches Diagramm des SVG-Prinzips der harmonischen Kompensation
IV. Simulationsvalidierung
Ein Simulink-Modell des 10-kV-Systems wurde gebaut (Abb. 7), wobei der SVG-Controller als C-basierte S-Funktion implementiert wurde (Abb. 8). Die Last bestand aus einem Dreiphasen-Diodengleichrichter mit Eingangsreaktoren und RC-Ausgang.

Abbildung 7: Simulink-Simulation der 10kV-Gitter-SVG-Harmonische Kompensation

Abbildung 8: Einstellungen des S-Funktionsmoduls
Zwei Szenarien wurden getestet:
(1) Quelle-Last-Impedanzverhältnis = 1:10
Abbildung 9: Wellenform des Simulationsergebnisses mit Impedanzverhältnis 1:10
Der Last-Überschwingungsstrom stieg von 81,63 % auf 85,09 % THD
Die Systemspannung und die Stromoberschwingungen nahmen deutlich ab

Tabelle 3: Vergleich der Vorwärts-Harmonischen vor und nach der harmonischen Kompensation mit Impedanzverhältnis 1:10
(2) Impedanzverhältnis = 1:1 (schwächeres Gitter)

Abbildung 10: Wellenform des Simulationsergebnisses mit Impedanzverhältnis 1:1
Der harmonische Laststrom stieg auf 105,31 % THD
Bestätigt, dass schwächere Gitter die lastseitige harmonische Verstärkung verstärken
Wellenformen (Abb. 9–10) zeigen trotz saubererer systemseitiger Wellenformen eindeutig steigende Laststromverzerrungen.
Tabelle 4: Vergleich der Vorwärts-Harmonischen vor und nach der harmonischen Kompensation mit Impedanzverhältnis 1:1
V. Schlussfolgerung
Diese Studie zeigt, dass Hochspannungs-SVGs zwar systemseitige Oberschwingungen effektiv reduzieren, aber in schwachen Netzszenarien aufgrund verbesserter Spannungsqualität unbeabsichtigt die Last-seitige Oberschwingungsströme erhöhen können. Der Effekt verstärkt sich, wenn das Verhältnis von Quellimpedanz zu Lastimpedanz abnimmt.
Daher gilt beim Entwurf von harmonischen Kompensationssystemen:
Dimensionieren Sie die SVG-Kapazität nicht ausschließlich anhand gemessener Lastharmoniken
Berücksichtigen die Gitterfestigkeit (Kurzschlusskapazität) und die Impedanzeigenschaften
Betrachten Sie hybride Lösungen (z. B. SVG + passive Filter) für kritische Anwendungen
Diese Erkenntnisse bieten wertvolle Hinweise für den sicheren und effektiven Einsatz der SVG-basierten harmonischen Minderung in industriellen Energiesystemen.
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